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Anreise
Im letzten Bericht hatte ich ja schon geschrieben, das die Fahrt von San Jose nach Nueva Guinea zwei Tage in Anspruch genommen hat, ich sollte jedoch noch hinzu fügen, das wir dabei nur eine Strecke von vielleicht 100 km Luftlinie bzw. etwa 400 km Straßenweg gefahren sind. Eigentlich ist das ja für diese Region auch nichts Ungewöhnliches, aber ich fand die Straßenverhältnisse eigentlich gar nicht schlecht, es war alles gut geteert und man kommt auch mit dem Bus zügig voran, mit `nem Pikcup, und davon gibt's hier unzählige, kann man wie schon erwähnt ja auch locker 120 km/h fahren. Also eigentlich kann man die gesamte Strecke auch wie in Deutschland in ein paar Stündchen abfahren. Der eigentliche Grund, warum man dafür gut zwei Tage einplanen muss,
ist dass der Bus in jedem Kuhdorf anhält und dann erstmal ein ganzer Marktplatz den Bus betritt um ihre Wahren anzupreisen, dass kann dann schon mal ne Stunde dauern bis da alle durch sind. Man wird also in der engen, schwülheißen, verschwitzen Atmosphäre noch zusätzlich mit frittierten Hühnchengerüchen, süßen Gebäcken, alle möglichen Früchte, abgefüllten Säften in Tüten usw. verwöhnt. Meistens fahren dann noch weitere Händler mit und preisen einem dann während der Fahrt noch alles Mögliche an. Man kann das ganze am besten mit einer Kaffeefahrt beschreiben die nie zu enden scheint. Nicht nur deswegen finde ich die Fahrten auf der Pickup-Ladefläche die bessere Variante umherzureisen. Naja, günstig ist es in jedem Fall, die Fahrten im Bus kosten ca. 2 € pro 100 km, kommt immer auf die Verhandlung drauf an, für das Essen Bezahlt man auch nie mehr als ein Euro, ans Essen hab ich mich eigentlich auch schnell gewöhnen können, es gibt viel frettierte Sachen wie Hühnchen, alle möglichen Früchte die ich selbst noch nie vorher gesehen hab und natürlich Reis. Hungern muss man also nicht und vom vorhergebestimmten Durchfall bin ich bis jetzt auch verschont worden, Gott sei dank, denn Toilettengänge sind hier nicht gerade die prickelsten Beschäftigungen. Irgendwie hab ich bis jetzt auch noch keine Mücken, Spinnen und Schlangen gesehen, aber das wird sch bestimmt bald ändern. Die niedlichste Begegnung hatte ich dafür mit dem kleinen 2 Monate alten Welpen, der mir in Stefans Bleibe plötzlich entgegen sprang. Der ist noch ganz verspielt und sooo putzig. Die letzten Tage hab ich dann damit verbracht die Montessorischule zu besuchen, in der Stefan arbeitet, und den Ort und dessen Umgebung zu erkunden. Ansonsten wird ganz ruhig in den Tag hinein gelebt um das Leben und die Leute und die Natur hier zu beobachten. Es ist auf jeden Fall immer etwas los, es kommen ständig Leute hier zu Besuch, dann wird meistens viel gegessen, und abends wird dann der Tag mit etwas (mehr) Rum- Cola, pokern und Gitarre spielen abgerundet, dass geht meistens so bis um drei und am nächsten morgen ist man aber wieder erstaunlich schnell munter. Es wird aber in den nächsten Tagen noch viel passieren, aber das erfahrt ihr dann beim nächsten Mal.
Ein Tag bei der Finca

Gestern war ein fantastischer, ereignisreicher Tag mit vielen neuen Erfahrungen. Stefan und ich sind schon um fünf Uhr aus dem Haus, da wir vorhatten, reiten und baden zu gehen. Die Sonne ging gerade auf, da sind wir auf einen LKW voller Leute auf dem Dach gestiegen und eine halbe Std. damit zu einer Finca zu fahren. Sie lag mitten in einer einsamen Landschaft neben dem Regenwald. Dort hat ein Bauer gerade seine Kühe gemelkt. Die Kühe sahen aber ganz anders aus als in Deutschland, mit riesigen Ohren und großen Hautlappen am Hals und Höcker auf dem Rücken, und die Herde hatte ganz viele kleine Kälber. Wir durften uns dann auch mal am Melken probieren, sah ja auch ganz einfach aus, aber es kamen nur ganz kleine Tropfen aus der Kuh. Der Bauer hat uns dann erstmal ein Getränk gegeben, die Milch gleich aus der Kuh in den Becher, sie war noch ganz warm und schaumig und schmeckte ganz süß und lecker. Da wir ja reiten wollten, mussten wir noch warten bis alle Kühe fertig gemolken wahren und in der Zeit zeigte uns ein Nica Freund von Stefan wie man mit dem Lasso umgeht, es standen ja auch eine Menge Kälber zum ausprobieren herum. Naja so ganz einfach war das ja auch nicht, aber mit vielen Üben haben wir dann irgendwann unser ersten Kalb gefangen. Danach ging's dann auf die Pferde, das erste Mal auf einem großen Pferd, ganz alleine mit Sattel und Zügel. Das ging auch viel leichter als erwartet das Pferd zu bewegen und zu lenken. Da es gleich so gut geklappt hatte, ging der Trip zum Fluss auch gleich los, mit mir und Stefan kamen dann noch ein paar Freunde von der Ranch mit, um uns zu begleiten. Der Weg ging durch eine fast menschenleere Landschaft ohne Straßen, nur Buschland, hügeliges Gelände und weite Aussicht. Nach einer viertel Stunde im leichten Trab haben wir dann eine Hütte erreicht wo die Familie der Ranch wohnte, mitten im Nirgendwo ein Bauernhof wo alle Hühner mit Kücken, Kühe, ein Schwein mit sieben Ferkelchen, drei Hunde und eine kleine Katze frei herum laufen konnten. Da haben wir erstmal Rast gemacht, aber nicht lange, denn die nächste Aufgabe war es ein Huhn zu fangen, was unser Mittagessen werden sollte. Fünf Leute rannten also einem völlig hysterischen Hahn hinterher, bis er letztlich fast selber in den Kochtopf in die Küche rannte, es wusste bestimmt was im blühte. Nebenbei fingen wir noch eins von den Ferkelchen, weil ich es mal Streicheln wollte. Ich hatte es dann in meinen Händen und es hat angefangen zu quicken und zu schreien, so wie wenn ein Mikro zu nahe an den Lautsprecher kommt, verdammt Laut und unangenehm. Als die Mutter das Quicken hörte wurde sie richtig sauer und kam auf mich zugerannt, aber die Leute haben sie gekonnt von mir ferngehalten. Ich hab dann das Ferkel auch gleich wieder runtergelassen und schon grunzte es wieder zufrieden vor sich hin. Nach dem kleinen Einblick zu den Bewohnern der kleinen Farm ging es noch mal 30 min weiten auf den Pferden zu einem Fluss wo wir baden wollten. Der Ritt ging dann durch ein kleines Wäldchen ohne Wege, an Kuhherden vorbei, die dort ohne Zäune herumgrasten, zu einer leeren Weide, wo wir dann richtig im Galopp hinüber ritten. Am ende dieser Weide, kam ein tiefes Tal mit dem Fluss. Also mussten wir dann mit den Pferden den steilen Hang herunter durch den immer dichter werdenden Regenwald, wo dann ein kleiner Bach floss. Hm, hier wollten wir also baden, wohl eher plantschen. Aber es kam ganz anders, nach einem kurzen Fußmarsch, wurde der Bach erst ein wenig breiter und dann standen wir auf einem drei Meter hohen Wasserfall mit einer blauen Lagune darunter, eigentlich wie in einem Film, völlig unberührte Natur wo sich nur selten Menschen verirren. Das Wasser war ganz klar und warm und so tief das man den Boden nicht sehen konnte. Wir sind dann immer den Wasserfall hinunter gesprungen, in allen möglichen Varianten, und zu der aufkommenden Mittagshitze war es eine prima Abkühlung. Als dann nach einer Stunde wieder alle trocken waren sind wir zurück zu der Hütte geritten, diesmal den steilen Weg hinauf, man saß in absoluter Schräglage auf dem Sattel, und dann wieder im Galopp die Weide entlang. Und da war dann wiederum eine Aufgabe, diesmal sollten wir mal die Kühe mit den Pferden auf eine andere Weide treiben, so mal nebenbei. Das hat dann das auftretende Cowboy Gefühl perfekt gemacht (reiten, Lasso werfen, Kühe treiben). Die Weide war durch Zufall auf einen hohen Berg, es gab nur wenig Bäume am Gipfel, und wir hatten eine fantastisch, weite Aussicht bei strahlendem Sonnenschein und fast keinen Wolken und man konnte ganz weit in Land hinaus schauen. Da das der absolute Höhepunkt war, kann ich eigentlich an dieser Stelle aufhören. Am ende haben wir noch das Huhn mit Reis an der frischen Luft verspeist und danach wieder zurück zur Ranch geritten. Durch den harten Sattel hat meine Hose so sehr am Hintern gerieben, dass er nun ganz wundgescheuert ist und ich kaum noch schmerzfrei gehen und sitzen kann. Aber das war's absolut Wert, bei den Eindrücken von der Natur, dem Land, den Leuten und dem neu gelernten Tätigkeiten.
Ansonsten hab ich in der Zeit in der ich hier bin schon so viele Leute und dessen Lebensweisen, mit ganz vielen Kuriositäten kennen gelernt, dass ich mich jedes Mal aufs Neue wundere. Das werde ich dann beim nächsten Mal vielleicht erzählen. Dann erstmal buenas noches.
Kuriositäten in Nicaragua
Adressen: Es gibt hier weder Straßennamen, Hausnummern, oder Briefkästen. Wenn man jemanden besuchen will oder wissen will wo jemand wohnt, dann kann man das ganz normal über eine gute Wegbeschreibung machen, z.B. über die zweite Brücke links, am dritten Baum dann rechts gegenüber vom Stacheldrahtzaun, wo mal der Hühnerstall stand. Und genauso heißen hier auch die Wohnadressen. Da es aber keine so richtige Post gibt, und man aber ein Päckchen erwartet, dann kommt irgendwann mal einer vorbei und gibt bescheid das man es in der Päckchenzentrale abholen kann, genau wie Briefe oder die Zeitschriftenwerbung von Lidl und Aldi (hahaha). Wenn das Packet jedoch zu groß ist, dann muss man schon mal in die nächst größere Stadt, die nicht weniger als 4 bis 5 Busstunden entfernt liegt.
Werbung: Bei uns fahren ja viele Jugendliche mit lautstarker Musik durch die Stadt, meistens sind sie aber so schnell, das man sie nur kurz sieht, In Nica kommt es vor, dass da auch ein Auto mit lauter Musik zu hören ist, jedoch viel lauter, fast wie Loveparade, und neben Musik noch schnell gesprochen wird. Dieses Auto fährt allerdings in Schrittgeschwindigkeit und somit einige Minuten deutlich hörbar umher. Das sind also Wagen die Werbung verbreiten, oder vielleicht auch Propaganda, wie auch immer, es ist sehr nervig, besonders wenn man gerade eingeschlafen ist, und er seinen Lautsprecher gerade vor meiner Hängematte anstellt.
Leitungswasser gibt es nur an bestimmten Tageszeiten, aber man weiß nie genau wann das ist.
Die meisten Leute sind sehr nett und wollen gleich mit einem reden, nur verstehen sie nur spanisch, und wenn man ihnen klar macht, dass man kein spanisch kann dann reden sie trotzdem mit dir weiter obwohl sie wissen das du ja nichts verstehst. Und dann wollen sie ständig einem was zeigen, wenn man bei ihnen ist, ihr Hab und Gut, ihre Musik spielen sie einem vor, alles. Das kann manchmal sehr lange dauern. Und wenn sie dann endlich Tschüss sagen wollen, wann wird trotzdem noch was erzählt, das kann sich dann schon mal bis zu dreimal wiederholen aber dafür sind die Verabschiedungen auch so beherzt als würde man sich nie ewig nicht wieder sehen, auch wenn man sich in ein paar Stunden eh wieder sieht...
Wenn man sich hier ein Eis kaufen will, dann gibt es hier Verkäufer mit einem mobilen Wagen in dem sich in Klotz Packeis befindet, dann nimmt er eine Art Hobel und schabt damit etwas von dem Eis ab, darüber kommt dann noch eine Kelle voll Sirup, fertig.
Alles was man kauft wird in Plastiktüten gepackt, sogar Getränke befinden sich in Tüten, und alles wir danach einfach auf den Weg geworfen, deshalb liegt hier überall Plastikmüll rum, vor allem Plastiktüten, aber auch Plasteflaschen. Ein deutscher Flaschensammler würde hier bei dieser Menge richtig viel Geld verdienen, aber hier liegt es einfach nur rum, und das wahrscheinlich die nächsten Millionen Jahre.
Nicaragua zählt zwar mit zu den ärmsten Ländern der Welt, aber trotzdem sieht man viele Handys,die Leute fahren Motorrad oder Mountainbike, es gibt geteerte Straßen und dicke Pickups. Es gibt überall Internet mit Skype und Webcam. Jeder hat einen Fernseher mit über 50 Sendern. Und die Meisten wirken hier sehr entspannt, stolz und glücklich.
Auf der Vulkaninsel Ometepe

Um 2 Uhr Nachts am Montag begann mein Trip mit dem Bus nach Masaya, wo ich mich mit einem Freund und Mitzivi von Stefan treffen sollte um auf die Vulkaninsel Ometepe zu gelangen. Dabei war nicht nur die sehr frühe Abreisezeit das Besondere, wenn es das gewesen wäre, wäre es ja Kickifax gewesen. Nein, diesmal musste ich ganz alleine los ziehen, wobei ich eigentlich gar keine Ahnung hatte wo ich eigentlich hin muss und mit nur mangelhaften bis keinem Spanisch Kenntnissen. Stefan hat mir ja noch alles Wichtige auf Spanisch aufgeschrieben und mir einen Reiseführer mit einem Kärtchen von Nicaragua mitgegeben. Na dann, wird schon schief gehen. Tatsächlich habe ich meinen eigentlichen Ausstieg nach Masaya, mitten auf der Landstraße in Nicaragua knapp verpasst. Der Bus sollte ja in Tipitapa (im Tackatuckaland ;-) halten und ich könnte den nächsten Bus nach Masaya nehmen, so funktioniert es hier nun mal, dass hieß Busfahrer bescheid sagen und fertig...Tscha, bescheid sagen...auf spanisch...erstes Defizit. Nach mehrmaligen ringen und würgen mit Wörtern und Fingern hat er mich dann doch noch rausgelassen, nur ist er in der Zwischenzeit schon wieder gut ein paar Kilometer weiter gefahren. Nütze also nichts ich musste ein kleines Stück wieder zu Fuß zurück laufen, es war je bereits gegen 6 Uhr und sie Sonne brannte auch schon ordentlich aber noch angenehm. An der eigentlichen Kreuzung in Tipitapa sollte ich dann einen Bus nach Masaya nehmen, das bedeutet wenn ein Bus kommt Finger raushalten und aufspringen, das hat auch ganz gut geklappt ohne lange warten zu müssen. Irgendwie fahren hier die Busse im 10 min Takt in alle möglichen Richtungen (Es handelt sich dabei nicht um Stadtbusse sondern Fernverkehr!!) Gut, Masaya war schnell erreicht, und bald könnte ich wieder in Begleitung ohne Spanischmangel weitereisen...denkste. Edo, der Freund von Stefan, konnte nicht mitkommen, also müsste ich alleine weiterreisen, dableiben, oder zurück fahren...na was meint ihr hab ich getan. Richtig, ich bin weiter gefahren, quasi das selbe Spiel wie zuvor, mit einem Stapel Spanischen Handzetteln und Karten bin ich wieder alleine weiter. Der Bus in meine neue Richtung hat mich wieder mitten auf der Landstraße aufgelesen, und diesmal war er so voll, dass ich irgendwie noch reingequetscht wurde, die Busfahrten hier kann man gar nicht richtig beschreiben, das muss man selbst mal erlebt haben wie krass das eigentlich ist.
Am neuen Zwischenziel musste ich dann eine Fähre zu der Insel finden, und wie ich so in meinen Reiseunterlagen rumsuche quatscht mich auch schon ein junger Nica voll und plappert was das ich eh nicht verstehe (hab ich eigentlich schon erwähnt das ich kein spanisch kann ;-) Ich dacht e es sei wieder irgendein Taxifahrer die einem ständig vollquatschen und ich winkte erstmal ab. Ob ich verstand plötzlich das Wort Isla de Ometepe, hey da will ich doch hin, also mal sehen was er will. Am ende hab ich rausgefunden das er wohl auch da hin möchte und er wollte mir zeigen wie ich da hinkomme, jo Prima, komm ich mal mit, wa? Tatsache er bringt mich zur Fähre, es war noch eine Stunde zeit und er hat mir erstmal ein Bier spendiert. Dabei erzählte er mir das er auf der Insel wohnt und wie blöd er es findet das Real Madrid gegen Bayern München rausgeflogen ist, komisch so was versteht man sogar auf spanisch. Als ich auf die Fähre wartete kamen plötzlich lauter europäische und amerikanische Touristen, obwohl ich bis dahin keinen einzigen gesehen habe. Nach einer sehr schaukeligen Fahrt auf dem wellenreichen See musste ich schon wieder einen Bus auf der Insel nehmen, um den Ort zu erreichen den mir Edo vorgeschlagen hat. Gut das mir der junge Nica auch diese Hürde abgenommen hat und schon saß ich in einem Bus wo einem nicht sicher war ob damit hauptsächlich Menschen, Marktwaren oder Baumaterial transportiert wird, die Verteilung wechselte ständig, genau wie die Sitzplätze, die meiste Zeit saß ich auf irgendwelchen Säcken oder auch dazwischen. Dazu kam die eher mondoberflächenähnliche Straße die einem noch mehr durchschüttelte als die Fähre. Jedenfalls wurde man mit einer herrlichen Aussicht auf den Vulkan belohnt, schon vom Festland erkennt man den perfekt, kegelförmigen Riesenvulkan, der noch aktiv ist. Auf der Fähre wurde er dann immer klarer und man sah wie die Wolken nur mit Mühe über den Gipfel krochen, das Bild änderte sich ständig. Langsam wurde es Dämmerung als ich endlich mein Tagesziel erreichte. Es war eine Art Ökoprojekt mit sehr günstigen Schlafmöglichkeiten. Und ich hab auch noch nichts Vergleichbares gesehen, da standen ein paar Bambushütten mitten auf dem Vulkan, kein Strom, kein Haus weit und breit, und eine nette Finnin zeigte mir meine Hängematte wo ich die Nacht verbringen konnte. Ich fand's dort richtig prima, eine sehr gelassene Stimmung, alle haben sich in Englisch unterhalten, mildes Klima und da Beste der Sternenklare Himmel in der Nacht. Ich glaube ich hab noch nie so viele und klare Sterne gesehen, einige funkelten richtig. Am nächsten morgen ging's schon wieder früh los, denn der Vulkan sollte ja noch bestiegen werden. Beim Aufbrechen fragte ich die Finnin wo ich denn was zu Essen herbekommen würde und sie zeigte auf eine Bananenstaude, ich könne so viele haben wie ich will. Juhu, Bananenfrühstück, nach dem Bananenmittag und Bananenabendessen des vorherigen Tages. Nach ein paar Kilometern Fußmarsch erreichte ich endlich die Finca Magdalena, ein Muss für jeden Besucher dieser Insel. Sie ist schon ein ganzes Stückchen auf dem Vulkan, und es ist eine ehemalige Kaffeefarm wo man noch das traditionelle Kaffeeernten und verarbeiten anschauen kann. Außerdem liegt sie mitten im fast originalem Regenwald und ein Nebenpfad führt einem zu den Petroglyphen (urtümliche Steinritzereien) und einem 30m Wasserfall. Nach einem ordentlichen Frühstück hab ich mir erstmal in Ruhe alles angeschaut, ganz besonders war auch die Aussicht auf die Küste und dem zweiten Vulkan der Insel (Zwei separate Vulkane sind zu einer Insel zusammengewachsen). Auf dem Weg zur Kaffeeplantage hab ich dann drei der seltenen Brüllaffen auf einen Baum gesehen. Erst hab ich sie gehört und dann hab ich ihnen ein paar Früchte, die überall herum lagen hoch geworfen. Ein Affe hat dabei eine gefangen und sie mir zurück geballert, das war ne Kriegserklärung, ich hab alles gesammelt was ich finden konnte und die Schlacht begann, aber außer einem lachähnlichem Rufen kam nicht zurück, sie haben mich tatsächlich ausgelacht. Nach einem guten Mittagessen (eine Stunde nach dem Frühstück auf derselben Finca) hab ich beschlossen lieber noch den kürzeren Weg zum Wasserfall zu gehen und nicht noch den ganzen Vulkan zu besteigen, ich wollte lieber noch an den Strand fahren, gelaufen war ich ja schon genug. Als ich dann am Strand ankam hab ich meine Entscheidung auch nicht bereut, ein kilometerlanger Sandstrand mit einem kleinen Hostel sollte mein letztes Ziel für diesen Ta sein. Gefunden hab ich den Platz durch eine Gruppe deutscher Studenten, die ich im Bus getroffen habe und dort schon ein paar Nächte verbracht haben. Da im Hostel allerdings kein Bett mehr frei war bot man mir noch ein gerade fertig gewordenes Zimmer an ohne Möbel, nur ein Stapel Matratzen und Kissen. Ich fand's perfekt, es war nicht teuer, ein Balkon zeigte auf den 10 m entfernten Strand und ich brauchte es mit niemanden teilen.
Dann bin ich erstmal schön am Strand entlang spaziert und hab den Nica Frauen zugesehen wie sie ihre Wäsche wuschen. Da meine Hose schon ziemlich Staub angesetzt hatte, hab ich es ihnen einfach mal nachgemacht und hab meine Hose dort im Wasser auf einem Stapel Steine mit einem anderen Stein gewaschen. Jetzt hab ich ne echte Stone washed Jeans, ein Spritzer Zitrone machte die Sache noch zitrusfrisch. Während ich zum Trocknen wartete, hab ich meine Füße mit dem feinen Vulkansand eingerieben, hab mal gehört das soll gesund sein, und es tat auch gut, die Füße taten nicht mehr weh. Nur die Nicas um mich rum schauten mich verdutzt an, wieso ich mich freiwillig dreckig mache. Da der Strand genau an der Westküste war konnte ich mir den Sonnenuntergang von einem kleinen Hügel aus betrachten, dabei färbten sich beide Vulkane, mittlerweile wolkenlos, in ein sanftes Rot. Außerdem haben mich ständig ein paar Vögel begleitet, sie sahen aus wie kleine blaue Pfaus, die es nur auf dieser Insel gibt, echte Paradiesvögel. Am nächsten morgen hab ich vor der Abreise nach Masaya nochmal einen Strandspaziergang gemacht und dabei einen Skorpion unter einen Stein entdeckt, nach dem ersten Schreck war die Neugierde dann doch größer und ich hab ihn ein bisschen mit ´nem Stock untersucht, war sehr spannend, vor allem als er dann eine Kakalake fing und die sie aussaugte, da strahlte das Biologenherz :-)
Danach ist nicht weiter aufregendes passiert, ich hab auf der Rückreise noch zwei Amerikanerinnen getroffen mit denen ich die meiste Zeit bis Masaya unterwegs war, sie konnten zum Glück gut Spanisch. Nach einer weiteren Nacht bei Edo in Masaya, war es nun kein Problem mehr wieder zurück zu Stefan zu finden. Insgesamt war ein sehr interessanter, erholsamer Trip mit fantastischen Eindrücken. Nächste Woche geht's dann zum Abschluss mit Stefan auf die Karibikinsel Corn Island.
Sommer, Palmen, Sonnenschein

Diesmal ging die Reise etwas später los, um 5 Uhr morgens sind wir mit dem Bus immer weiter gen Osten durch den Dschungel gefahren bis wir in einem kleinen Dorf auf ein Boot umsteigen mussten, dass uns über einen Fluss bis an die Atlantikküste gebracht hat (eine Straße bis dahin gibt es nicht). Die Bootsfahrt war sehr interessant an beiden Seiten konnte man den Regenwald mit allen möglichen Wasservögeln sehen, und die Fahrt ging sehr schnell, diese Nussschale ohne Dach ist wirklich wie ein Speedboot abgegangen. Als dann plötzlich ein Schauer ausbrach, waren die Regentropfen fast wie Geschosse, eine dünne Plastfolie wurde dann schnell über unsere Köpfe gezogen. Nach zwei Std. Flussfahrt haben wir dann das schlimmste Kaff von Nicaragua erreicht. Dieser Ort war einfach nur dreckig, vermüllt, es roch überall nach Gulli, und das schlimmste wir mussten eine Nacht dort verbringen, denn es gab keinen Flug mehr an diesem Tag nach Corn Island. Stefan hat dann ausgerechnet noch die billigste und schäbigste Unterkunft genommen, die zu finden war, aber ich fand dann 4 Dollar für eine Bretterbude an den Docks viel zu teuer. Um in so einer stickigen Zelle auf einem Brett zu übernachten, müsste man eigentlich Schmerzensgeld bekommen. Ich war von der ganzen Situation bald so angewidert, dass ich mir so dachte dieser Ort verdient es aller paar Jahre von einem Hurrikan mal richtig sauber gespült zu werden. Nach einer unruhigen Nacht ging es dann zum Glück gleich früh um 6 mit dem ersten Flieger in die Karibik, nach dem 20 minütigen Flug war dann bei der Landung die Stimmung wieder viel besser, beim Anblick einer richtigen Karibikinsel war die ganze Schinderei des Vortages schnell vergessen. Das Wasser ist wirklich türkisblau, der Strand ist tatsächlich weiß und gaaaanz fein, und die Temperaturen sind echt erträglich. Aber es störten auf Big Corn Island (ca. 5000 Einwohner) noch der herumliegende Müll und der chaotische Verkehr. Doch das haben wir bald hinter uns gelassen, denn vom kleinen Flugplatz ging mal schnell zu Fuß zum kleinen Hafen, wo wir mit einen Boot zur kleineren Insel Little Corn gefahren sind. Erstmal war die 30 minütige Hinfahrt echt spaßig, es war wieder nur eine Nussschale, die aber mit so hoher Geschwindigkeit über die Wellen gebrauste, dass wir teilweise übers Wasser gesprungen sind. Und dann blieb mir fast die Spucke weg, als das Boot auf der kleinen Insel mitten am Strand anlegte, denn einen Hafen gab es da nicht, auch keine Straßen und Autos, alles war sauber und ruhig und die paar Leute am Strand verströmten eine absolute Gelassenheit aus, die uns gleich ansteckte. Bevor wir uns eine Unterkunft gesucht haben, sind wir gleich noch zu einer Tauchschule gegangen um mich für einen Tauchkurs anzumelden. Ich konnte auch gleich am selben Tag mit dem Theorieteil beginnen, aber vorher haben wir uns von dort noch einen schönen und günstigen Schlafplatz zeigen lassen. Dieser war auf der anderen Seite der Insel, also ein zehn minütiger Fußmarsch durch einen Stück Regenwald. Der Strand auf der anderen Seite, hat dann die bisherigen wahnsinnigen Eindrücke noch mal getoppt, so sauber und weis und menschenleer hätte ich es niemals für möglich gehalten. Und unsere echt günstige Behausung, eine Bambushütte mit Matratze, war auch noch gleich am Strand, mit Blick aufs Meer, ein paar Hängematten baumelten davor an den Palmen, herrlich. So lies es sich die Woche prima aushalten. Wir haben dann auch gleich alles fallen und liegen gelassen und haben uns unter einer Palme erstmal eine ganze, saftige Melone zum Mittag gegönnt, danach musste ich gleich mal ins Wasser hüpfen, angenehme 27 Grad Wassertemperatur (wie eine riesige Badewanne mit Wellen), in der Hängematte hab ich mich noch langsam von der Sonne trocknen lassen, bevor ich dann meine ersten Tauchstunden bekommen habe. Aber viel ist da noch nicht passiert nur zweieinhalb Std. Video gucken, während draußen die Sonne und das Meer lockten. Stefan hat sich in der Zwischenzeit schon mal einen Teil der Insel angeschaut, und einen Einheimischen getroffen, der uns am nächsten Tag eine gute Stelle zum Schnorcheln zeigen konnte. Später hat er uns noch gezeigt, wo man gut essen und trinken kann und so sind wir erst nach weit nach dem Sonnenuntergang (den leider eine Wolke vor der Sonne verdeckt hatte) im stockdunkeln durch den Wald zurückgegangen. Hätte man uns keine Taschenlampe gegeben, hätten wir im Wald überhaupt nichts mehr gesehen und hätte nie zurück gefunden, so finster war es. Nachdem man bei Wellenrauschen eingeschlafen und mit Sonnenaufgang wieder zeitig aufgewacht ist (so war es dann auch die nächsten drei Tage), hab ich dann am Vormittag schon meine ersten Tauchversuche im Meer hinter mir gebracht. Spaß macht es auf jeden Fall, die Übungen waren aber teilweise ganz schön blöd, mit Tauchmaske abnehmen, wieder aufsetzen, Mundstück wechseln usw. Dabei wird viel ekliges Salzwasser geschluckt. Am Nachmittag sind wir dann mit dem Nica und seiner (diesmal aber wirklich) Nussschale aufs Meer Richtung Brandung gepaddelt, dabei waren die Chancen zum umkippen nicht schlecht, das Ding wackelte nur von einer Seite zur anderen und ich war ständig dabei mit einem Eimer Wasser auszuschöpfen. Als wir dann ins Wasser mit dem Schnorchel gegangen sind, war unter unseren Füßen ein buntes Korallenriff mit tausenden Fischen in allen Größen und Farben, ein fantastischer Anblick. Aber das sollte eigentlich nur die Vorschau auf die eigentliche Wunderwelt des Korallenriffs sein, denn schon am nächsten Morgen sind wir mit einem Boot weit aufs Meer raus gefahren und haben uns die Korallen beim Tauchen vom nahem angeschaut. Diese Vielfalt von bunten Fischen, Formen und Arten ist echt beeindruckend, und ich hätte nie gedacht das ich das mal in echt erlebe. Diese Tauchgänge zu verschiedensten Riffen rund um die Insel hab ich die gesamten drei Tage vier mal gemacht, und dabei sind wir sogar Rochen, Barrakudas und Haien begegnet. Es war aber nie gefährlich, aber immer interessant und es macht so viel Spaß wenn man übers Riff schwimmt, als würde man fliegen. Nach den Tauchgängen haben wir uns dann alle Tiere noch mal in Büchern angeschaut, um zu verstehen was wir gesehen haben und es uns zu merken, Meersbiologiekurs vom feinsten. Nach dem ganzen Tauchen ist man dann aber so kaputt das man nach dem Abendessen eigentlich gleich schlafen will. Aber ein Spaziergang bei Sternenhimmel am Strand musste jeden Abend schon noch sein. Einmal sind wir noch auf einen Leuchtturm zum Sonnenuntergang gegangen, der war mitten auf einem kleinen Hügel und von oben konnte man die ganze Insel sehen, sie war echt winzig, und es waren so wenig Menschen und Touristen, dass man die paar, nach zwei Tagen ständig wieder getroffen hat, und alle waren immer freundlich und relaxed. Ich glaube Stress ist auf der Insel ein Fremdwort, ich hab auch ein paar Leute wieder getroffen die ich schon eine Woche zuvor auf der Insel Ometepe gesehen habe. Was mir noch besonders gut gefallen hat war der Wald zwischen beiden Stränden, dort wuchsen die wunderlichsten Bäume, es gab ganz viele bunte Schmetterlinge und überall hat man kleine Echsen und Leguane gesehen. Und abends kamen am Strand, meistens wenn man in Ruhe ein Buch in seiner Hängematte gelesen hat, kleinen Krabben zu einem gekrabbelt, und haben sich auf meinen Zeh gesetzt, keine Ahnung was die wollten, denn sonst waren sie immer ganz ängstlich und sind bei jeder Bewegung weggeflitzt. Aber das wird jetzt viel zu Detailreich, und es ist bestimmt schwer, sich alles vor zustellen. Deswegen beende ich mal an dieser Stelle und suche noch ein paar Bilder von der Insel aus.

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